WEIHNACHTEN – 2024

Weihnachten steht vor dem Türchen, behaupte nicht nur ich, sondern alle, die noch den Traum des Beschenkens, des Glückverteilens pflegen. Es sind aber nicht frisch gebackene und herrlich duftende Guetzli, wie es das 4. Adventtürchen des AT Verlags vermeldet, sondern Kochbuchtipps, die die Herzen der Kochbuch-Enthusiasten höher schlagen lassen, frei nach dem Motto: Schenken macht Freude.

WEIHNACHTEN - 2024

Geschenk-Tipp Nr. 1:
Jessica Lerchenmüller, Hungry for Adventures

Am Anfang wird es sportlich. Wandern, Radfahren und Natur genießen, wer will das nicht? Voraussetzung dafür ist zuallererst eine gute Planung, Karten digital oder analog werden studiert, das richtige Outfit gewählt und Jause und ausreichend zum Trinken eingepackt. Bei vielen ist die Essensfrage langjährige Routine, dabei hat sich gerade in punkto Krafttanken im Sport viel verändert. Ausreichende Energiezufuhr nennt sich das und ist von Freizeitbetätigung und diverse Sportarten sehr verschieden. Zum Beispiel verbraucht ein Radfahrer zwischen 300 und 600 Kilokalorien mehr pro Stunde als normal und die müssen dem Körper zugeführt werden. Aber genauso wichtig ist es, nach der sportlichen Betätigung sich bewusst Zeit zu nehmen für’s Kochen und zum Essen. Das ist eines der Grundanliegen von Jessica Lerchenmüller, das sie mit ihrem Kochbuch Hungry for Adventures vermitteln will. Vereinfacht gesagt, alles dreht sich ums wieder und wieder Befüllen der Energiespeicher. Ob es Ausflüge ins Freie sind, unterwegs mit dem Rennrad oder per pedes, allein, gemeinsam mit Freund:innen und Familie, auf Küstenstraßen mit Blick auf blaue Buchten, unterwegs auf einsamen Bergpfaden zu noch einsameren Bergseen – es sind dies die Momente, in denen wir Kraft tanken, mental. Perfekt und zum reinen Vergnügen wird es, wenn die Energiezufuhr stimmt, das heißt, Essen und Getränk auf das Hinaus in die Natur abgestimmt sind. Welche Rezepte die sportlich hochaktive Fotografin Jessica Lerchenmüller dafür empfiehlt und präferiert, beschreibt sie in fünf Kapiteln, die von Basics, über Frühstücksrezepte, Kraftspender für unterwegs, Snacks für besonders hungrige Tage bis zum Dinner reichen.

Die Autorin hat ihre Rezepte buchstäblich ‚ersportelt‘, an sich selbst ausprobiert in verschiedenen Disziplinen. Entsprechend groß ist auch die Bandbreite der Rezepturen, die vom Nussdrink über Rote-Bete- und Bohnen-Aufstrich, Quinoa-Kürbis-Granola, Kleine Mohnkuchen für unterwegs, einem Kürbisbrot und dem Artischockenpesto mit Spaghetti & Parmesan, dem Dinner, das für ein bisschen Dolce Vita sorgt, reicht. Jassica bietet viel, viel mehr auf an kulinarischen Schmankerln, die unseren Hunger stillen, sowohl den großen als auch kleinen. Und dass das Kraftfutter sehr gesund ist, müsste man nicht extra erwähnen.

Jessica Lerchenmüller, Hungry for Adventures ist im Knesebeck Verlag erschienen und kostet 28.80 Euro.

WEIHNACHTEN - 2024

Geschenk-Tipp Nr. 2:
Archestratos empfiehlt

Unser zweites Buch entführt uns an die Küsten des Mittelmeeres. Wir tauchen weit zurück in die Vergangenheit, um einem Dichter zu begegnen, von dessem Werk nur Fragmente erhalten geblieben sind. Archestratos hieß er und es ist so gut wie nichts über ihn bekannt. Der Zeitgenosse Aristoteles’ war ein sizilianischer Grieche aus Syrakus oder Gela. Damals zwei einflussreiche Städte, die in einer fruchtbaren Ebene liegen. Sizilien, die Insel der vielen Früchte, war auch für seinen Käse bekannt, der auf den mediterranen Märkten gehandelt wurde. Woher wir das wissen? Von Archestratos natürlich – ein kritischer Feinschmecker seinerzeit. Um 350 v. Chr. erkundete er die Märkte des Mittelmeers und kostete die Spezialitäten vor Ort. Er bereiste im 4. Jahrhundert v. Chr. die ganze griechische Welt – Griechenland, Süditalien, Sizilien und die Küste Kleinasiens. Auf seine äußerst spärlichen Spuren heftete sich Fabian Repper. Er veröffentliche seine Ergebnisse unter dem Titel Archestratos empfiehlt wie auch 18 originalgetreue Rezepte. Vom weißen Gerstenbrot aus Lesbos über die Gerstengrütze auf phönizische Art bis zum Knurrhahn aus Byzynz reicht das kulinarische Angebot, das uns irgendwie vertraut ist und doch so fremd im historischen Kontext. Geschichts-Interessierten öffnet sich hier ein kleines Küchenfenster, können sie einen Blick erhaschen auf lukullische Freuden vor über 2000 Jahren und das ist spannend. Die Rezepte sind von Fabian Repper rekonstruiert und angenähert, da aus diesen Zeiten keine genauen Mengenangaben bekannt sind. Als Grundlage dienen 62 Fragmente, die von Hedupathia („Die Erfahrung der süßen Dinge“ ), dem Werk von Archestratos, erhalten geblieben sind. Am besten behandelst du den Fisch so: Nimm frische Feigenblätter und ein wenig frischen Oregano, keinen Käse, nichts Überflüssiges. … heißt es im Fragment 35. Heute noch ist Käse und Fisch zusammen in der italienischen Küche verpönt. Der Autor verknüpft auszugsweise Fragmente und Rezepte, Letztere sind sehr einfach gehalten. Sie geben einen guten Einblick über die verwendeten Zutaten und damit auch Essgewohnheiten. Thunfisch und Schwein, Oliven, Artischocken und anderes Gemüse zeugen von hohem Lebensstandard. Zudem gewähren ausgewählte Keramiken mit ihren figurativen Darstellungen einen Blick auf den Alltag vor fast 2500 Jahren. Sehr liebevoll gemacht ist diese Reise in die kulinarische Vergangenheit.

Archestratos empfiehlt ist bei Nünnerich-Asmus erschienen und kostet 12.- Euro.

WEIHNACHTEN - 2024

Geschenk-Tipp Nr. 3:
Katharina Böttger, Rena Wiese, echt jetzt: Glutenfrei Backen

Kein Kochbuch, sondern ein Backbuch mit einem sehr speziellem aber wichtigen Thema ist echt jetzt: Glutenfrei Backen.

Die Autorinnen haben die Vision, den Menschen, die keine glutenhaltigen Produkte essen können oder möchten, das Leben ein bisschen schöner zu machen. Mit der Marke echt jetzt erfreuen sie seit einigen Jahren Menschen in ganz Deutschland mit glutenfreien Broten, Brötchen und anderem Gebäck.

Der Leitsatz ihrer Manufaktur und in diesem Buch: hochwertige Zutaten ohne Zusatzstoffe mit guten Nährwerten – und das schmeckt man. Von knusprigen Broten, Brezen und Pizza, über himmlische Apfel- und Schokokuchen, bis hin zu verführerischen Zimtschnecken und Plätzchen: Mit einfachen und gelingsicheren Schritt-für-Schritt-Anleitungen zauberst du Backwaren, die hervorragend schmecken und trotzdem alle glutenfrei sind – Echt jetzt? Echt jetzt! Zudem bieten viele Rezepte Alternativen für eine vegane, zuckerreduzierte oder hefefreie Ernährung – da ist für jede und für jeden etwas dabei.

Vom Apfelkuchen bis zur Pizza spannt sich der Bogen der 70 gelingsicheren Rezepte. Herzhaftes und süßes glutenfreies Gebäck samt veganer Varianten ist hier versammelt – ein Segen für alle, die unter Zöliakie, Glutenintoleranz oder Glutensensitivität leiden und die auf eine glutenfreie Ernährung achten müssen.

Wer glutenfreie Brote, Brötchen, Kuchen und Snacks backen will, findet hier einfach geniale Rezepte.
Katharina Böttger, Rena Wiese, echt jetzt: Glutenfrei Backen ist ein Südwest Verlag Buch, zum Preis von [A] 25.70 Euro.

WEIHNACHTEN - 2024

Geschenk-Tipp Nr. 4:
So schmeckt Korea

So schmeckt Korea, das vierte der hier vorgestellten Kochbücher, entführt uns in die asiatische Küche. 

In Monica Lees Familie ist Sohn-mat, was man übersetzen kann mit ‘ein Händchen für Geschmack’, stark ausgeprägt. Die Tante ihrer Großmutter kochte für die königliche Familie in Korea raffinierte Festmahle für den ganzen Hof. Sie gab Sohn-mat an Monicas Großmutter weiter, die ebenfalls eine grandiose Köchin war und auf dem Land in der Nähe von Seoul lebte. Da sie oft japanische Austauschstudenten zu Gast hatten, musste häufig für 25 bis 30 Leute gekocht werden – neben riesigen Töpfen stapelten sich in der Küche Unmengen von frischem Gemüse aus dem eigenen Garten. Monica verbrachte vor allem die Ferien bei ihrer Großmutter und wich ihr nicht von der Seite, wenn sie in der Küche Kohl und anderes Gemüse für Kimchi vorbereitete, gewissermaßen eimerweise Chigae kochte und Bibimbap in Schalen anrichtete. Schon bald war klar, dass auch Monica Sohn-mat hatte. Hier kürzen wir ab und springen von Korea nach Los Angeles, wohin es Monica verschlug. 

Dort begann sie ihre Kochgelüste auszuleben, vor allem Soon Tofu Chigae Gerichte wurden ihr Markenzeichen. Soon Tofu Chigae ist ein gemütliches, wärmendes Gericht, das aus einer kräftigen, würzigen Brühe und verschiedenen Einlagen besteht. Ähnlich der vietnamesischen Pho ba, nur steht im koreanischen Gericht der extraweiche Tofu im Mittelpunkt, ohne den geht es nicht. Nun, Monica eröffnete das Beverly Tofu Hause und wurde mit ihren Tofu-Gerichten sehr erfolgreich. Wundern Sie sich, wenn ich Ihnen sage, dass in Monica Lees So schmeckt Korea der Tofu die Hauptrolle spielt. Jedenfalls gibt es in diesem Kochbuch viele Tofu-Rezepte: Soon Tofu mit Rind, mit Pilzen, mit Garnelen, mit Seetang, mit Sojabohnenpaste und mit einigem mehr. Dazu die Beilagen, die auf einen Soon Tofu-Tisch gehören, wie Gewürzte Sojasauce, Scharfe Salatgurke, Gebratene Strohkartoffeln, Sojageschmorte Fischküchlein, um einige aufzuzählen und natürlich auch nicht wenige Kimchi-Apolegeten. Ein weiteres Kapitel ist den Familiengerichten gewidmet, die neben Bekanntem wie Bulgogi oder die Sojabohnensuppe mit Kohl auch weniger berühmte Gerichte enthält. Bibimbap-Gerichte beispielsweise, was in der Regel gemischter Reis mit allen möglichen Zutaten sein kann, ob Bibimbap mit gemischtem Gemüse oder einer Cochujang-Sauce, Tofu ist hier natürlich auch dabei.

Wenn Sie die asiatische Küche lieben und glauben, Sohn-mat zu besitzen, dann ist So schmeckt Korea ideal für Sie. Mit Monica Lees Kochbuch entwickelt man ein Gespür für Aromen und intuitives Kochen.

So schmeckt Korea ist eine Herausforderung, auf die einzugehen man nicht bereut. Erschienen im Südwest Verlag, zum Preis von 36.- Euro.

WEIHNACHTEN - 2024

Geschenk-Tipp Nr. 5:
Meine Küche im Frühling und Sommer

Für das fünfte Kochbuch reisen wir ins Tessin. In Malvaglia betreibt Meret Bissegger ein Haus mit Besonderheiten. Darin ein Schmuckstück von Wahnsinnsküche, die offen ist zu einem großen Gastraum mit einem Tisch, an dem über 20 Menschen Platz nehmen können. Neben der Tavolata bietet sie auch Kochkurse und Kräuterwanderungen an. Meret ist Spezialistin für alles essbare Grünzeug, das man sich vorstellen kann. Das reicht von Aubergine über Okraschote und Malve bis zu den Zucchetti wie die Schweizer den Zucchini nennen. Merets drittes Kochbuch widmet sich ganz der Frühling- und Sommerküche. Es ist eine Einladung, wie sie in der Einleitung schreibt, wieder vermehrt selbst zu kochen, und zwar mit frischem Gemüse. Ihr Augenmerk, Gemüse schmackhaft zuzubereiten, ist mehr Kampfansage, eben jene Fertigkeiten aufzuzeigen, die letztlich der Vielfalt an Geschmacknuancen, Farben und Konsistenz von Gemüse gerecht werden. Der Weg dorthin sind über 400 Seiten geballte Informationen, natürlich vorrangig Rezepturen. Dazwischen und einführend in die Kapitel gibt es Hintergrundinformationen, die unter anderem Menschen vorstellen, die im Bereich der nachhaltigen Landwirtschaft, Produktion und Verarbeitung tätig sind, biologisch Tieferschürfendes über die saisonalen Produkte, aber auch kurze Gastkommentare, die Randbereiche wie die Kostenfrage oder die Patentfrage von Samen erklären. Aber entscheidend ist der Gaumen, der will verführt werden mit Gerichten, wie er sie noch nicht gekostet. Anhand von 40 Frühlings- und Sommergemüsesorten werden über 150 meist vegetarische, oft auch vegane Rezepte vorgestellt. Für heute picke ich mir Okraschote und Malve sowie Spinat heraus, die stellvertretend für alle anderen stehen. Okra hat sich von Äthiopien ausgehend in den Osten verbreitet, sindbei uns in den Afrika- und Asienshops erhältlich. Interessant sind die Ladyfingers, wie sie auch genannt werden, weil sie mit ihrem Schleim, der ein wenig an Wolfsmilch erinnert, ideale Bindemittel für Saucen oder Suppen sind. Zudem ist dieses Gemüse sehr magenschonend. Okra ist ein Riesenmalvengewächs, also dieselbe Pflanzenfamilie wie Hibiskus. Sehr indisch mutet gleich das einzige Gericht dazu, Okra mit Kokos und Tamarinde an. Ein bisschen mehr darf es im Kapitel Spinat sein. Da gibt es zum Auftakt Spinatsalat mit rohen Champignons und knolligem Sauerklee (210), und als Hauptgericht Spinat-Ricotta-Malfatti mit Farina bona oder Zitronen-Tagliatelle mit Spinat, Salicorn und Mandeln. Alles sehr gesund und schmackhaft. Sollten Sie nach dem Spinatessen auf Muskeln hoffen á la Popeye the sailor, da muss ich Sie enttäuschen. Jedenfalls weht uns in der Spinatabteilung mediterraner Wind entgegen. Überhaupt sind Merets Rezepte asiatisch, indisch, levantinisch, maghrebinisch, alpin wie auch italienisch angehaucht. Ihre Rezepturen schreibt sie nieder wie Julia Child einst. Klar und verständlich im Zubereitungsfluss.

Wer die Saisonalität in seinem Küchen- und Kochplan verankern will, kommt um Merets Kochbücher nicht herum. Sie sind mehr schon Standardwerk. Meine Küche im Frühling und Sommer gehört zu den besten Kochbüchern, die ihre Rezepte vor allem mit Gemüse, Kräutern, Blüten und Wildpflanzen kreieren. 

Meine Küche im Frühling und Sommer ist im AT Verlag erschienen und kostet 54.- Euro.